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„Musik ist wie eine Droge“

Heute werden 55 Jahre Musikschule Hoyerswerda gefeiert – mit einem Konzert in der Aula des Lessing-Gymnasiums.

Am heutigen Sonnabend gibt es anlässlich des 55-jährigen Bestehens der Musikschule Hoyerswerda ein Konzert in der Aula des Lessing-Gymnasiums in der Pestalozzistraße 1. Wir sprachen mit dem Musikschulleiter David Brand.

Herr Brand – was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an 55 Jahre Musikschule Hoyerswerda denken?

Dass sich Qualität durchsetzt bis zum heutigen Tage. Der langjährige Leiter Helmut Hammer hat 36 Jahre (!) mit viel Ehrgeiz und Leidenschaft zusammen mit seinen Kollegen, von denen manche auch heute noch aktiv sind, eine musikalische Ausbildungsstätte erschaffen, die bis heute fest im Fundament der Bildungslandschaft Hoyerswerdas verankert ist.

Seit wann leiten Sie die Musikschule Hoyerswerda – und warum haben Sie den Job angenommen?

Ich habe die Leitung der Musikschule im August 2016 übernommen. Ich hatte die Gelegenheit, während meines Studiums an der Kölner Musikhochschule viel zu reisen. Wettbewerbe und Konzertreisen führten mich durch ganz Europa, Asien und Nordamerika. Neben dem reinen Konzertieren auf der Bühne hat mich der Gedanke, musikalische Inhalte weiterzuvermitteln, schon immer beschäftigt. Da ich ursprünglich aus der Oberlausitz komme und nach zehn Jahren im Kölner „Exil“ nach einer neuen Aufgabe suchte, bin ich sehr dankbar, in dieser Position nun ein Stück weit das kulturelle Geschehen in meiner Heimat mitgestalten zu können.

Wie viele Schüler nutzen die Angebote, welche Instrumente oder Angebote sind der Renner – und warum?

Wir unterrichten derzeit 700 Schüler in den verschiedensten Unterrichtsformen. Neben dem normalen Einzelunterricht ist auch Gruppenunterricht, gerade im Anfängerbereich, sehr beliebt. Wir kooperieren auch mit nahezu allen Schulen in Hoyerswerda und Umland von Lauta bis nach Wittichenau, sind dort im Ganztagsangebot vertreten. Eine gute Möglichkeit, den Schülern vor Ort den Einstieg in eine musikalische Laufbahn zu ermöglichen. Dauerbrenner unter den Instrumenten sind Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Aber auch Gesang hat stetig Zulauf. Der Popchor unter Leitung von Mario Heß beispielsweise freut sich seit Beginn dieses Schuljahrs über stetig wachsendes Interesse.

Welche Fächer/Angebote/Instrumente könnten noch besetzt werden, die derzeit leider nicht gefragt sind und dennoch Nachwuchs brauchen?

Freie Kapazitäten haben wir noch bei fast allen Blasinstrumenten. Saxofon, Klarinette, Fagott, Oboe und Querflöte.

Wo sehen Sie die Musikschule Hoyerswerda in zehn Jahren?

Wir erleben eine spannende Zeit. Morgen wird entschieden, wie es weitergeht in Deutschland oder ob doch alles beim Alten bleibt. Otto Schily, seinerzeit Bundesinnenminister, prägte den Satz: „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit“. Das gilt weiter. Ich hoffe sehr, dass unsere Musikschule auch in zehn Jahren noch reichlich zum kulturellen Leben in und um Hoyerswerda beiträgt.

Welche Instrumente spielen Sie selbst?

Hauptsächlich Saxophon, aber leidenschaftlich gerne und ambitioniert auch Klavier und Synthesizer.

Was löst Musik in Ihnen aus?

Musik ist für mich wie eine Droge. Ich brauche sie einfach zum Überleben. In vielen wichtigen Augenblicken im Leben hat Musik mich getröstet; mir geholfen, Hoffnung zu schöpfen oder aber mich ekstatisch feiern zu lassen. Musik umgibt uns immer und überall. Ich bin fast allen Musikgenres gegenüber aufgeschlossen und mag beim „Musikmachen“ vor allem die absolute Hingabe, die einen Menschen bewegt. Egal, ob jemand eine Klaviersonate von Mozart vor 100 Menschen spielt oder ein anderer verschiedene Frequenzen in einem DJ-Set reguliert und damit 5 000 Menschen zum Tanzen animiert – das alles ist Musik und beeinflusst uns; jeden ganz einzigartig und individuell.

Was ist heute zum 55-jährigen Bestehen konkret geplant?

Es wird ein Festkonzert mit aktuellen und ehemaligen Schülern geben. Ich werde auch ein Stück spielen. Dazu treten Schüler unserer Partner-Musikschule Liberec auf. Wir freuen uns auf das Kommen von Kulturbürgermeister Thomas Delling sowie des ehemaligen Musikschulleiters Helmut Hammer, die beide ein Grußwort sprechen werden. Im Anschluss an das Konzert sind alle Gäste zu einem Sekt-Empfang eingeladen. Das Konzert findet am heutigen Sonnabend, dem 23. September, um 16 Uhr in der Aula des Lessing-Gymnasiums an der Pestalozzistraße 1 statt. Die Tickets kosten 5 Euro (ermäßigt 3,50). Aktuelle Schüler der Musikschule haben freien Eintritt.

(SZ, 23.09.2017, Silke Richter)